Icon Zitate Georg Christoph Lichtenberg, deutscher Physiker und Schriftsteller
 (* 1.7.1742 in Oberramstadt - † 24.2.1799 in Göttingen)


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A

  1. Alle Menschen schieben auf und bereuen den Aufschub.
  2. Alles auf einmal tun wollen, zerstört alles auf einmal.
  3. Allzeit: wie kann dieses besser gemacht werden.
  4. Altern ist eine unausweichlich physiologische Veränderung des Organismus mit fortschreitendem Verlust der Anpassungsfähigkeit.

D

  1. Daß die Philosophie eine Frau ist, merkt man daran, daß sie gewöhnlich an den Haaren herbeigezogen ist.
  2. Das Wort Schwierigkeit muß gar nicht für einen Menschen von Geist als existent gedacht werden. Weg damit!
  3. Der Amerikaner, der den Kolumbus zuerst entdeckte, machte eine böse Entdeckung.
  4. Der Charakter eines Menschen lässt sich aus nichts so sicher erkennen, als aus einem Schmerz, den er übelnimmt.
  5. Der gemeine Mann hält bei seinem Kirchengehen und Bibellesen die Mittel für Zweck.
  6. Der gerade Weg ist der kürzeste, aber es dauert meist am längsten, bis man auf ihm zum Ziele gelangt.
  7. Der gewöhnliche Kopf ist immer der herrschenden Meinung und der herrschenden Mode konform.
  8. Der Mensch ist der größten Werke alsdann fähig, wenn seine Geisteskräfte schon wieder abnehmen.
  9. Der Mensch kommt unter allen Tieren dem Affen am nächsten.
  10. Der Trieb, unser Geschlecht fortzupflanzen, hat noch eine Menge anderes Zeug fortgepflanzt.
  11. Der Weisheit erster Schritt ist: Alles anzuklagen. Der letzte: Sich mit allem zu vertragen.
  12. Die Astronomie ist vielleicht diejenige Wissenschaft, worin das wenigste durch Zufall entdeckt worden ist, wo der menschliche Verstand in seiner ganzen Größe erscheint und wo der Mensch am besten lernen kann, wie klein er ist.
  13. Die Bescheidenheit müßte die Tugend derer sein, denen die anderen fehlen.
  14. Die buntesten Vögel singen am schlechtesten. Das gilt auch für Menschen.
  15. Die Fliege, die nicht geklappt sein will, setzt sich am sichersten auf die Klappe selbst.
  16. Die gefährlichsten Unwahrheiten sind Wahrheiten, mäßig entstellt.
  17. Die großen Begebenheiten der Welt werden nicht gemacht, sondern sie finden sich.
  18. Die kleinsten Unteroffiziere sind die stolzesten.
  19. Die Leute, die den Reim für das wichtigste in der Poesie halten, betrachten die Verse wie Ochsen-Käufer von hinten.
  20. Die Leute, die niemals Zeit haben, tun am wenigsten.
  21. Die meisten Menschen leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft.
  22. Die meisten Poeten kommen erst nach ihrem Tode zur Welt.
  23. Die Menschen sind in ihren Anlagen alle gleich, nur die Verhältnisse machen den Unterschied.
  24. Dieses haben unsere Vorfahren aus gutem Grunde so geordnet, und wir stellen es aus gutem Grunde nun wieder ab.

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E

  1. Ehe man tadelt, sollte man immer erst versuchen, ob man nicht entschuldigen kann.
  2. Ein Buch ist ein Spiegel, aus dem kein Apostel herausgucken kann, wenn ein Affe hineinblickt.
  3. Ein Grab ist doch immer die beste Befestigung wider die Stürme des Schicksals.
  4. Ein gutes Gedächtnis ist eine gute Gabe Gottes. Vergessen können ist oft eine noch bessere Gabe Gottes.
  5. Ein Starker weiß mit seiner Kraft hauszuhalten, nur der Schwache will über seine Kraft hinaus wirken.
  6. Ein Unverschämter kann bescheiden aussehen, wenn er will, aber kein Bescheidener unverschämt.
  7. Einer erzeugt den Gedanken, der andere hebt ihn aus der Taufe, der Dritte zeugt Kinder mit ihm, der Vierte besucht ihn am Sterbebette, und der Fünfte begräbt ihn.
  8. Erfahrung ist die einzige Schule, in der auch Dummköpfe etwas lernen können.
  9. Es gibt eine gewisse Jungfernschaft der Seele bei den Mädchen und eine moralische Entjungferung; diese findet bei vielen schon sehr frühzeitig statt.
  10. Es gibt Leute, die glauben, alles wäre vernünftig, was man mit einem ernsthaften Gesicht tut.
  11. Es gibt manche Leute, die nicht eher hören, bis man ihnen die Ohren abschneidet.
  12. Es gibt wirklich sehr viele Menschen, die bloß lesen, damit sie nicht zu denken brauchen.
  13. Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu tragen, ohne jemandem den Bart zu versengen.
  14. Es ist ja doch nun einmal nicht anders: Die meisten Menschen leben mehr nach der Mode als nach der Vernunft.
  15. Es ist keine Kunst, etwas kurz zu sagen, wenn man etwas zu sagen hat.
  16. Es ist unglaublich, wie unwissend die studierende Jugend auf Universitäten kommt, wenn ich nur 10 Minuten rechne oder geometriesiere, so schläft ¼ derselben sanft ein.
  17. Es tun mir viele Sachen weh, die anderen nur leid tun.

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G

  1. Gelegenheit macht nicht Diebe allein, sie macht auch große Männer.
  2. Gerade das Gegenteil tun heißt auch nachahmen, es heißt nämlich das Gegenteil nachahmen.

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H

  1. Heutzutage machen drei Pointen und eine Lüge einen Schriftsteller.

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I

  1. Ich fürchte, unsere allzu sorgfältige Erziehung liefert uns Zwergobst.
  2. Ich kann freilich nicht sagen, ob es besser werden wird, wenn es anders wird, aber soviel kann ich sagen: es muß anders werden, wenn es gut werden soll.
  3. Ich möchte was darum geben, genau zu wissen, für wen eigentlich die Taten getan worden sind, von denen man öffentlich sagt, sie wären für das Vaterland getan worden.
  4. Ich weiß nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muß anders werden, wenn es besser werden soll.
  5. Ihre körperlichen Reize befanden sich gerade in dem sonderbaren Zeitpunkt, wo sie anfangen, ihre anziehende Kraft mit der abstoßenden zu vertauschen.

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J

  1. Jede Gefahr ist in der Vorstellung fürchterlicher als in re.
  2. Jeder Fehler erscheint unglaublich dumm, wenn andre ihn begehen.

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K

  1. Kluge Leute glauben zu machen, man sei was man nicht ist, ist schwerer, als zu werden, was man scheinen will.
  2. Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren Werken haben.

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L

  1. Lieber Freund, du kleidest deine Gedanken so sonderbar, daß sie nicht mehr aussehen wie Gedanken.

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M

  1. Man führt gegen den Wein nur die bösen Taten an, zu denen er verleitet, allein er verleitet auch zu hundert guten, die nicht so bekannt werden.
  2. Man sollte sich nicht schlafen legen, ohne sagen zu können, daß man an diesem Tag etwas gelernt hat.
  3. Manche unserer Originalköpfe müssen wir wenigstens solange für wahnwitzig halten, bis wir so klug werden wie sie.
  4. Mehr als das Gold hat das Blei die Welt verändert, und mehr als das Blei in der Flinte jenes im Setzkasten der Drucker.
  5. Mein unerschütterliche Glaube an die Dummheit des Tieres Mensch hat mich nie enttäuscht und ist mir im Lauf des Lebens oft zustatten gekommen.
  6. Meine Sprache ist allzeit simpel, enge und plan. Wenn man einen Ochsen schlachten will, so schlägt man ihm gerade vor den Kopf.
  7. Mir tut es allemal weh, wenn ein Mann von Talent stirbt, denn die Welt hat dergleichen nötiger als der Himmel.
  8. Müßigkeit setzt Genuß voraus, Enthaltsamkeit nicht. Es gibt daher mehr enthaltsame Menschen als solche, die müßig sind.

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N

  1. Nichts macht schneller alt als der vorschwebende Gedanke, daß man älter wird.
  2. Nichts setzt dem Fortschritt der Wissenschaft mehr Hindernis entgegen, als wenn man zu wissen glaubt, was man doch nicht weiß. In diesen Fehler fallen gewöhnlich die schwärmerischsten Erfinder von Hypothesen.

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S

  1. Sagt, ist noch ein Land außer Deutschland, wo man die Nase eher rümpfen lernt als putzen.
  2. Selbst die sanftesten, bescheidensten und besten Mädchen sind immer sanfter, bescheidener und besser, wenn sie sich vor dem Spiegel schöner gefunden haben.
  3. Starke Empfindung, deren sich so viele rühmen, ist nur allzu oft die Folge eines Verfalls der Verstandeskräfte.

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U

  1. Um sicher Recht zu tun, braucht man sehr wenig vom Recht zu wissen. Allein um sicher Unrecht zu tun, muß man die Rechte studiert haben.
  2. Unsere Theologen wollen mit Gewalt aus der Bibel ein Buch machen, worin kein Menschenverstand ist.
  3. Unter die größten Entdeckungen, auf die der menschliche Verstand in den neuesten Zeiten gefallen ist, gehört meiner Meinung nach wohl die Kunst, Bücher zu beurteilen, ohne sie gelesen zu haben.

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V

  1. Viele Spötter meinen sich reich an Geist und sind doch nur arm an Takt.
  2. Vom Wahrsagen läßt sich wohl leben, aber nicht vom Wahrheit sagen.

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W

  1. Wahrhaftigkeit ist die größte List.
  2. Warum sollte es nicht Stufen von Geistern bis zu Gott hinauf geben und unsere Welt das Werk von einem sein können, der die Sache noch nicht recht verstand?
  3. Was einem das Liegen auf dem rechten Ellenbogen ist, nachdem man eine Stunde auf dem linken gelegen.
  4. Was hilft aller Sonnenaufgang, wenn wir nicht aufstehen.
  5. Was man Herz nennt, liegt weit tiefer als der vierte Westenknopf.
  6. Wenn alle das gleiche denken, denkt keiner richtig.
  7. Wenn die Menschen plötzlich tugendhaft würden, müßten viele Tausende verhungern.
  8. Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstossen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch.
  9. Wenn Leute ihre Träume aufrichtig erzählen wollten, da ließe sich der Charakter eher daraus erraten, als aus ihrem Gesicht.
  10. Wenn man Mitleid fühlt, so fragt man nicht erst andere Leute, ob man es fühlen soll.
  11. Wenn uns ein Engel einmal aus seiner Philosophie erzählte, ich glaube es müßten wohl manche Sätze so klingen als wie 2 mal 2 ist 13.
  12. Wenn unsern Pädagogen ihre Absicht gelingt, ich meine, wenn sie es dahin bringen können, daß sich die Kinder ganz unter ihrem Einfluß bilden, so werden wir keinen einzigen recht großen Mann mehr bekommen.
  13. Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.
  14. Wer sich selbst recht kennt, kann sehr bald alle anderen Menschen kennenlernen.
  15. Widerwärtigkeiten sind Pillen, die man schlucken muß, und nicht kauen.
  16. Wie glücklich viele Menschen wären, wenn sie sich genausowenig um die Angelegenheiten anderer kümmern würden wie um die eigenen.
  17. Wie gut wäre es, wenn man die Stimmen, anstatt sie zu zählen, wägen könnte.
  18. Wir fressen einander nicht, wir schlachten uns bloß
  19. Wir irren allesamt, aber jeder irrt anders.
  20. Wir kennen nur allein die Existenz unserer Empfindungen, Vorstellungen, Gedanken. Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: Es blitzt. Zu sagen Cogito ist schon zu viel.
  21. Woher kommt es doch, daß man bei ähnlichen Gesichtern oft so ähnliche Gesinnungen findet?

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Z

  1. Zweifel muß nichts weiter sein als Wachsamkeit, sonst kann er gefährlich werden.

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Tagesinfo:

Heute ist Mittwoch, der 24. Februar 2021, der 55. Tag im Jahr, die 9. Kalenderwoche, noch 310 bis Silvester.


Namenstage:

Edelbert • Eunike • Ida • Irmgard • Matthias


Bauernspruch:

Mattheis bricht's Eis - find't er keins, so macht er eins.